SPD fordert umfassende Prüfung vor Baulandausweisung

 
Foto: Hartmut Häger

Rege Beteiligung bei der Stadtteilversammlung im „Premiere“ der Diakonie an der Marienburger Straße

 

(tH) Thema Nummer 1 bei der Stadtteilversammlung der SPD Marienburger Höhe/Itzum war der Wohnungsbau. Warum muss gebaut werden? Wo soll gebaut werden? Diese Fragen beantwortete Detlef Hansen, Vorsitzender des Ausschusses für Stadtentwicklung, Bauen, Umwelt und Verkehr im Rat der Stadt Hildesheim.

 

Drei Gründe führte Hansen für die Notwendigkeit einer Bedarfsplanung an: Hildesheim wächst wieder, die Hildesheimer wohnen in immer größeren Wohnungen, und Hildesheim will Großstadt bleiben. Es gibt also eine Nachfrage, die Gutachter für die nächsten zehn Jahre mit rund 3.000 Wohneinheiten beziffern. Wenn es gelinge, alle Leerstände zu aktivieren, sinke der Bedarf an Neubauwohnungen auf rund 2.000 Wohnungen. Der Großstadtstatus bringe Hildesheim Vorteile, weswegen die offensichtliche Nachfrage ein Angebot von Bauland erfordere.

Von den 29 Wohnungsbaupotenzialen, die der Fachbereich Stadtentwicklung in der ganzen Stadt für die kommenden fünfzehn bis zwanzig Jahre ausfindig machte und den Fraktionen des Rates zur Diskussion vorschlug, liegen zwei an der südlichen Grenze der Marienburger Höhe: am Westrand des Südfriedhofs und am Südrand des Südfriedhofs. Das Potenzial für beide Flächen wird auf maximal 600 Wohneinheiten geschätzt, 100 durch Verkleinerung der Vorratsfläche des Friedhofs, 230 bis 500 durch Umwandlung der für den Sport vorgesehenen Fläche in Wohnungsbau. Die Spannweite erklärt sich durch die Art der Bebauung mit Einfamilienhäusern oder Geschosswohnungsbauten. Nach dem Vorschlag der Verwaltung könnten die Flächen zwischen 2019 und 2023 entwickelt werden. Sie decken ein Fünftel des Bedarfs.

Hansen bekräftigte, dass weiterhin der Grundsatz „Innen- vor Außenentwicklung“ gelte. Genutzt wurden und würden innerörtliche Flächen am Weinberg und auf dem Phoenix-Gelände, an der Senator-Braun-Allee und zwischen Pfaffenstieg und Alter Markt. Ob man nicht Hauslücken schließen, Häuser aufstocken oder Dachgeschosse ausbauen könne? Hansen verwies auf die dafür fehlenden Rechtsvorschriften und auf die fehlenden finanziellen Anreize: „Ein Wohnungsbauprogramm können wir nicht auflegen.“ Es sei schon schwierig gewesen, auf dem Mackensen-Kasernengelände den Bau von Sozialwohnungen durchzusetzen. Ohne die gemeinnützigen Baugesellschaften wäre das nicht gegangen.

Während sich einige Versammlungsteilnehmer schon auf ein Nein festgelegt hatten, meinten andere, dass vor einer Entscheidung noch einiges geklärt werden müsse. Dazu gehöre auch die Darlegung der Plausibilität der Bedarfsprognose. Wichtig sei aber, für jeden der 29 Standorte die Auswirkungen auf Natur, Nachbarschaft und Infrastruktur zu ermitteln. Von Teilnehmern des damaligen Stadtentwicklungsprozesses wurde an die „Ackers-Gutachten“ von 2007 und 2013 erinnert, die von einer weiteren Bebauung im Südosten absahen und die landschaftliche Schönheit erhalten wollten. „Warum gilt das nicht mehr“, wollten sie wissen.

Versammlungsleiter Hartmut Häger ließ weitere Fragen nennen, die vor einer qualifizierten Beratung zu beantworten seien: Welches Verkehrsaufkommen ist zu erwarten? Werden die benachbarten Natur- und Landschaftsschutzgebiete beeinträchtigt? Reichen die Kindergarten- und Schulangebote aus? Können Arbeitsplatz- und Wohnungsbauentwicklung zur Vermeidung langer Anfahrtswege harmonisiert werden? Lassen Boden- und Wasserverhältnisse eine Bebauung zu? Gibt es unter Schutz stehende Tiere oder Pflanzen? Werden von „Normalbürgern“ bezahlbare Wohnungen entstehen können? Ist ein Einkaufszentrum geplant, und welche Auswirkungen hätte es für die Bestandsgeschäfte? Hansen sagte zu, diese Fragen mitzunehmen. Im Übrigen seien die Prozesse für die Bauleitplanung öffentlich, so dass es weitere Gelegenheiten zur Beteiligung geben werde.

Andere Fragen konnten schneller geklärt werden. So sei die Erneuerung der Verbindung „Roter Stein“ – „Wiesenstraße“ aus Verkehrssicherungsgründen erforderlich gewesen. Vorher habe es Fahrradunfälle gegeben. Die Stadt sei sogar – erfolglos – verklagt worden. Mit Rücklagen aus 2016 seien nun für Erneuerung der Fahrbahndeck etwa 12.000,- € aufgewendet worden. Die Frage nach einem an der Marienburger Straße gelegenen, durchgängigen Fahrradweg zum Ostbahnhof wollte Hansen von der Verwaltung prüfen lassen. Und vielleicht werde demnächst eine Lösung für den „Klingeltunnel“ vorgestellt.

 
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