SPD: Sparen beim Fahren

 
Foto: Häger

Prof. Dr. Helmut Lessing erläutert sein Konzept e2work.

 

(tH) Fast 46 Millionen PKW sind zur Zeit in Deutschland zugelassen. Durchschnittlich drei Prozent ihrer „Lebenszeit“ fahren sie, 97 Prozent stehen sie. Prof. Dr. Helmut Lessing vom Institut für Geographie der Universität Hildesheim hält das volkswirtschaftlich für den größtmöglichen Schaden. Im SPD-Ortsverein Marienburger Höhe/Itzum stellte er am 16. Mai Alternativen vor.

 

Lessing ist auch Geschäftsführer des Forschungsprojekts „E2work – Entwicklung und empirische Evaluation eines Geschäftsmodells zum innerbetrieblichen CarSharing“. E2work heißt auch das Unternehmen, das aus dem Projekt hervorging und erfolgversprechend mit großen Unternehmen zusammenarbeitet. Die Grundidee: Betriebe und Beschäftigte teilen sich ihre Autos. Der Betrieb leased ein Fahrzeug, das nach den Wünschen des Angestellten ausgestattet ist und stellt es ihm gegen Zahlung der halben Leasingrate zur Verfügung. Nutzen können es beide, Vorrang hat der, der sich im Buchungsportal angemeldet hat. Von ihm bekommt er den elektronischen Autoschlüssel aufs Smartphone geschickt, mit dem er losfahren kann. Steht das Auto, kann es vom Betrieb oder anderen Beschäftigten genutzt werden – das Buchungsportal übernimmt das Flottenmanagement.

Erprobt wird das Modell gerade zusammen mit großen Betrieben wie der Universität Hildesheim, dem Helios-Klinikum oder enercity Hannover. Das Einsparpotenzial ist betriebswirtschaftlich enorm und bei 12,4 Millionen Pendlern deutschlandweit auch volkswirtschaftlich. Am größten wäre der Nutzen beim Einsatz von Elektrofahrzeugen. Verbraucht der kostengünstigste Diesel pro 100 Kilometer 49 kWh, kommt das E-Mobil mit 15 kWh aus. Selbst wenn alle PKW in Deutschland elektrisch betrieben würden, stiege der Stromverbrauch gerade mal um etwa 3,5 Prozent. Da die meisten Autos nachts aufgeladen würde, sei das schon unter heutigen Verhältnissen zu ermöglichen, so Lessing.

Dass gegenwärtig erst rund 165.000 PKW elektrisch angetrieben werden, führt Lessing im wesentlichen auf den Widerstand der OEM zurück, der Original Equipment Manufacturer oder auf Deutsch der Zulieferer der Autohersteller. Elektromobile brauchen weniger und andere Bauteile für ihre Antriebe. Hätten dreißig Prozent der PKW einen Elektromotor, setzten die OEM statt 348 Milliarden Euro 104 Milliarden weniger um, natürlich auch mit Auswirkungen auf die Arbeitsplätze. Dennoch hält es Lessing für möglich, dass das Ziel des Nationalen Entwicklungsplans E-Mobilität, im Jahr 2020 eine Million Elektrofahrzeuge zuzulassen noch erreicht werden kann.

Für Helmut Lessing ist klar, dass der Verbrennungsmotor in PKW aus ökonomischen und ökologischen Gründen keine Zukunft hat. Das gelte auch für das unwirtschaftliche und unvernünftige Nutzen individueller PKW. Mit e2work zeigte er bei der Mitglieder- und Stadtteilversammlung der SPD eine interessante Perspektive auf. Ortsvereinsvorsitzender René Laske dankte ihm dafür. Die SPD werde das Thema weiterverfolgen.

 
    Energie     Kommunalpolitik     Mobilität     Umwelt und Nachhaltigkeit     Wissenschaft / Forschung
 

 


Kommentar schreiben

Netiquette
 

Selbstverständlich beachten wir die Vorschriften des Datenschutzes.
Hier geht es zur Datenschutzerklärung.

Senden
 

Netiquette

Schließen
 

Unsere Internetseite soll eine Plattform für ernsthafte Diskussionen sein, bei dem Toleranz, Offenheit und Fairness zu den Grundprinzipien gehören. Wir begrüßen sachliche und konstruktive Inhalte, die zu einer angeregten Diskussion beitragen und der Meinung anderer Kommentatoren tolerant und unvoreingenommen begegnen. Wird gegen diese Grundprinzipien verstoßen, kann dies zur Löschung von Kommentaren führen.

Um bei uns zu kommentieren muss die eigene E-Mail-Adresse angegeben werden. Selbstverständlich wird diese E-Mail-Adresse nicht veröffentlicht und auch nicht an Dritte weitergegeben. Die Angabe einer falschen E-Mail-Adresse ist ein Verstoß gegen unsere Nutzungsbedingungen. Wir machen daher Stichproben, die dann zur Löschung von Kommentaren führen können. Mit Absenden des Formulars werden unsere Nutzungsbedingungen anerkannt.